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Eindrücke vom NTA-Jahrestreffen: Kollegial, kooperativ, kostenlos - Blog

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Eindrücke vom NTA-Jahrestreffen: Kollegial, kooperativ, kostenlos

Das Jahrestreffen des Netzwerks TA am 2. Juni 2014 in Wien dürfte zwar besonders seine Mitglieder interessieren, war im Grunde aber für alle offen, und von daher spricht nichts dagegen, einige Eindrücke von der Veranstaltung in unserem openTA Blog niederzuschreiben – unabhängig davon, ob es ein „offizielles“ Protokoll geben wird oder nicht.

Das Netzwerk TA, das vor 10 Jahren – manche meinen in einer Krisensituation – entstanden ist, hat doch einiges seit seiner Gründung auf die Beine gestellt, obwohl es ohne „Satzung“ und finanzielle Mitgliederbeiträge auskommen muss. Organisatorisch ist es nicht nur gelungen, Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen einzurichten, sondern auch eine Konferenzreihe  zu etablieren, deren sechste Ausgabe (NTA6) dieses Jahr in Wien vom dort ansässigen ITA ausgerichtet wurde. Genauer: ITA und NTA haben eingeladen und die Konferenz organisiert, woran neben ITA und dem NTA auch ITAS, TA-Swiss, ÖAW, EA, ifz und Biogum nicht nur finanziell beteiligt waren.

Diese Konferenzen sind Orte, an denen sich nicht nur die NTA-Mitglieder  begegnen, sondern je nach Schwerpunktthema auch Wissenschaftler, die auf verwandten oder sich überlappenden Themenfeldern arbeiten. Und hier und da stoßen auch immer wieder interessierte Politiker dazu. Dadurch, dass die Tagungsbände als Verlagspublikation (edition sigma) verbreitet werden, manifestiert das Netzwerk seinen wissenschaftlichen Anspruch nach außen und kann darüber wirksam werden (der Tagungsband zur NTA5 soll in Kürze erscheinen).

Die Unterstützung von Doktoranden, die sich Promotionen im transdisziplinären Feld der Technikfolgenabschätzung vorgenommen haben, durch das Projekt TRANSDISS  war ein weiterer Erfolg, den sich auch das NTA zurechnen darf. Zu den Erfolgen des NTA darf auch gezählt werden, dass es gelungen ist, zunächst nur durch den Enthusiasmus der Mitglieder der AG IuK getragen, eine technische Informations- und Kommunikationsinfrastruktur für das Netzwerk aufzubauen. Dadurch, dass dann auch noch Mittel der DFG für den Aufbau eines TA-Fachportals eingeworben werden konnten, ist eine Infrastruktur in Sicht, die nicht nur dem Austausch innerhalb des NTA nützt, sondern einen zentralen, für die Umwelt der TA wahrnehmbar Ort schafft, über den die Vielfalt der TA-Landschaft erkundet werden kann. Übrigens macht das im Aufbau begriffene Fachportal des NTA, openTA, nicht den Fehler anderer Portale, sich als Spinne im Netz positionieren zu wollen, sondern stets wird sichtbar gemacht, woher Inhalte kommen, und die Dienste, die entwickelt werden, sind durchweg Dienste, die auch bei den einzelnen TA-Einrichtungen lokal sinnvoll eingebaut werden können.

Ohne Frage hat das Netzwerk Kooperationen unter den Mitgliedern befördert. Das sieht man an den Arbeitsgruppen, an den gemeinsam organisierten Tagungen, an Herausgeberschaften und, so wurde in Wien berichtet, auch daran, dass sich derzeit NTA-Mitglieder zusammen getan haben, um „Sessions“ auf der PACITA Konferenz  im Februar 2015 in Berlin auszurichten. Ob solche Aktivitäten erheblich zur besseren Wahrnehmung des NTA in seiner Umwelt beitragen können, wurde auf der Jahrestagung unterschiedlich gesehen.

Ausführlich diskutiert wurde auch die Rolle, Funktionsweise und Bestellung des Koordinationsteams (KT), dem aktuell Michael Decker als Sprecher des KT,  Sergio Bellucci, Stephan Bröchler (nicht in Wien anwesend), Stephan Lingner, Björn Ludwig und Mahshid Sotoudeh angehören. Die Bestimmung der Rolle des KT hängt eng zusammen mit dem Selbstverständnis des NTA. Wie balanciert das NTA Konkurrenz und Kooperation aus? (siehe zu der Fragestellung für andere Disziplinen auch das Programm der kommenden Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik).

In einer offen geführten, exzellent moderierten (wenn das Wort noch ohne ironischen Unterton gebraucht werden darf) und kontroversen Diskussion wurde deutlich, dass die Belastung der KT-Mitglieder noch keine Überlastung darstellt, weil viele Aktivitäten von den AGs und von Einzelpersonen bzw. deren Institutionen übernommen werden. Ideen, das KT stärker zu fordern und zu formalisieren, und es etwa durch Wahlen zu legitimieren, wurde entgegengehalten, dass durch eine stärkere Formalisierung oder auch Stärkung des KT die Balance im Netzwerk von Kooperation und Konkurrenz gestört werden könnte. Derzeit bewegt sich das NTA samt seiner Leitungsstruktur vorwiegend in einem durch Freiwilligkeit und Kollegialität ausgezeichneten, vielfältige Kooperationen ermöglichendem, vorkompetitiven Raum. Diese Einschätzung schließt allerdings nicht aus, dass die KT-Mitglieder und das KT als Leitung des NTA noch deutlicher sichtbar in Erscheinung treten könnten. Ebenfalls bedeutet die Zufriedenheit mit der Arbeit des KT nicht, dass es sich nicht umsichtig und mit Augenmaß personell verändern könnte  – um etwa bestimmte Themen der TA oder Interessen (wie die von Promovierenden) besser aufnehmen zu können. Konkret wurde angeregt, das KT solle auf TA- und TA nahestehende Einrichtungen, die noch nicht Mitglied im NTA sind, aber eine Bereicherung des Netzwerks bedeuteten, zugehen.

Dass es in Zukunft noch viel Nützliches zu tun gibt für das NTA, zeigte sich an den vielen Diskussionspunkten während des Jahrestreffens, die hier nur noch kurz in Frageform aufgerufen werden sollen.

  • Ließe sich womöglich mit daran interessierten institutionellen Mitgliedern des NTA ein gemeinsames Projekt zu den Grundlagen der TA auf den Weg bringen?
  • Könnten Elemente der Netzwerkbildung, die sich im EPTA-Netzwerk bewährt haben, auch für das NTA ein Vorbild sein? Genannt wurden hier insbesondere die sogenannten Directors und Practioners Meetings.
  • Wie ließe sich TA besser in der Wikipedia verankern (zentrale Konzepte, Einrichtungen, große Projekte, Studien, Personen), nachdem sich gezeigt hat, dass „nebenamtliches“ Engagement allein nicht ausreicht? Ließen sich dafür Mittel finden?
  • Wie kann es gelingen, noch mehr institutionelle NTA-Mitglieder zur Mitwirkung am openTA zu gewinnen? Die aktive Mitwirkung erhöht, wie von Netzwerkgütern bekannt, nicht nur den Nutzen für alle, sondern wäre in diesem Fall auch ein starkes Signal an die DFG, den Aufbau des Portals über 2014 hinaus zu fördern.
  • Sollte das NTA seine Präsenz in sozialen Netzwerken stärken?
  • Sollte das NTA auf eine neue wissenschaftliche Zeitschrift zur TA hinwirken, nachdem „poiesis & praxis“ eingestellt wurde? Könnte die in einem Redebeitrag erwähnte Umwandlung der TATuP (Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis) zumindest in Teilen in eine „peer-reviewte“ Zeitschrift da helfen?
  • Sollte das NTA nicht noch einmal versuchen, eine so erfolgreiche Nachwuchsförderung wie es das TRANSDISS-Projekt war, auf den Weg bringen?
  • Ließe sich die Nachwuchsförderung nicht auch durch Austauschprogramme verbessern? Allgemeiner: Könnte über Austauschprogramme jüngerer und älterer (sic!) Wissenschaftler der Zusammenhalt im Netzwerk nicht weiter gestärkt werden und zu neuen interessanten Kooperationen führen?
  • Wann und in welcher Form würde eine „Internationalisierung“ dem NTA nützen?
  • Gibt es ausreichend Interesse, eine AG TA in Unternehmen einzurichten? Interessenten wenden sich bitte an Björn Ludwig.
  • Welche Rolle kann das NTA spielen, wenn es darum geht, PolitikerInnen Konzepte und Leistungen von TA näher zu bringen? – ein von Ulla Burchardt deutlich artikuliertes Anliegen.

Soweit dazu. Anderen ist sicherlich anderes aufgefallen.

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