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What is TA?

Was ist Technikfolgenabschätzung – Technology Assessment – TA?

Eine weithin geteilte Definition von TA wird man nicht finden. Das NTA bezieht sich auf ein breites Verständnis von TA, das die Bereiche "Technikfolgenabschätzung, Praktische Ethik, Systemanalyse, Risikoforschung, Technikgestaltung für nachhaltige Entwicklung, Innovations-, Institutionen- und Technikanalyse, Innovations- und Zukunftsforschung und [die] dabei involvierten wissenschaftlichen Disziplinen aus Natur-, Technik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Philosophie" (aus der Gründungserklärung des Netzwerks TA) einbezieht. Diese Aufzählung ließe sich mit Sicherheit noch ergänzen.

Trotzdem gibt es Elemente eines Grundverständnisses. Dazu gehören etwa die möglichst umfassende Analyse technischer Innovationen, die Interdisziplinarität in der wissenschaftlichen Herangehensweise und der Bezug auf Öffentlichkeit und Politik.

Parlamentarische TA und weitere Hauptströmungen der TA

Das TA-Konzept wurde ursprünglich in den 1960er Jahren in den USA entwickelt und das Office of Technology Assessment (OTA) beim amerikanischen Kongress etabliert. Auf das Parlament bezogene TA gehört deshalb zu den am längsten etablierten TA-Aktivitäten, die ab den 1970er Jahren auch in Deutschland und Europa adaptiert wurden und heute in einer Reihe europäischer Länder fest institutionalisiert sind, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Zu diesen Varianten parlamentarischer TA gehören nicht zuletzt die NTA-Mitglieder in den D-A-CH-Ländern: TAB in Berlin, ITA in Wien und TA-Swiss in Bern. Der Verbund der europäischen parlamentarischen TA-Einrichtungen hat sich im European Parliamentary Technology Assessment Network (EPTA) organisiert.

TA kennt aber mehr Varianten als die parlamentarische TA. Man kann, in Anlehnung an Grunwald (2010, S. 114),  gegenwärtig drei Hauptströmungen unterscheiden:

  • TA als Politikberatung: Verbesserung der Basis für Entscheidungsfindungen (z.B. wissenschaftliche Politikberatung an Parlamente, Regierungen und Behörden) ("klassische TA"),
  • TA zur Technikgestaltung: Beitrag zur Innovations- und Technikgestaltung durch Einbeziehung von TA-Wissen in konkrete technische Forschung und Entwicklung (Constructive TA, VDI-Richtlinie Technikbewertung)
  • TA als Beitrag zum öffentlichen Diskurs: Anregung und Unterstützung gesellschaftlicher Debatten, Meinungsbildungen und Lernprozesse (Partizipative TA).

TA ist angesiedelt bei und wird durchgeführt von ganz unterschiedlichen Organisationen und Institutionen: Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Behörden, Beratungsunternehmen, Ingenieurbüros, Wirtschaftsunternehmen oder gesellschaftlichen Organisationen.

Ziele und Aufgaben

Die Ziele und Aufgaben von TA  sind:

  • Frühwarnung vor technikbedingten Risiken und die Analyse beabsichtigter und unbeabsichtigter Folgen des Technikeinsatzes,
  • Früherkennung von Chancen der Technik, ein Bezugspunkt von TA zur Innovationsforschung,
  • Herausarbeitung von Werthintergründen unterschiedlicher Perspektiven auf Technik - hier bietet sich die Kooperation mit der angewandten Ethik an -,
  • Konfliktprävention und -bewältigung in Richtung Partizipation und Mediation,
  • Aufbrechen scheinbarer Sachzwänge zugunsten von Entscheidungsalternativen unter Einbeziehung sozialer bzw. nichttechnischer Optionen.

Versuch einer umfassenden Definition

Lässt man einen frühen Klassiker der TA-Debatte in Deutschland aus den 1970er Jahren nochmals zu Wort kommen, dann findet man dort die folgende, relativ umfassende Beschreibung:

"Als TA-Analysen bezeichnet man Untersuchungen, die darauf gerichtet sind, die Auswirkungen der erstmaligen Anwendung neuer oder in der Entwicklung befindlicher bzw. der verstärkten oder modifizierten Anwendung bekannter Technologien (einschließlich sozialer Technologien) systematisch zu erforschen und zu bewerten, wobei das Schwergewicht auf die unbeabsichtigten, oft mit beträchtlicher Verzögerung eintretenden Sekundär- und Tertiäreffekte gelegt wird. TA-Untersuchungen sollen die Effekte der Technologieanwendung in möglichst allen (betroffenen) Teilbereichen der Gesellschaft und ihrer natürlichen Umwelt antizipieren, abschätzen und bewerten. Die im Verlauf von TA-Analysen getroffenen Auswahlentscheidungen und Werturteile sind in hohem Maße von den subjektiven Einschätzungen der Analytiker und ihrer Auftraggeber abhängig; Ergebnisse von TA-Untersuchungen sind daher nicht neutral oder objektiv. Weil sie aber intersubjektiv verständlich und nachvollziehbar sind, kann man sie als 'objektiviert' bezeichnen.

TA-Analysen sind in der Regel nicht auf eine - wenn auch viele Bereiche einbeziehende - Bewertung beschränkt. Vielmehr zeigen sie darüber hinaus Handlungsmöglichkeiten auf, durch die die betrachtete Technologie bzw. ihre Anwendungsmodalitäten so verbessert werden können, daß geringere und/oder stärkere positive Effekte zu erwarten sind. Gegebenenfalls sind alternative Technologien, die zur Lösung des gleichen Problems beitragen können, zu identifizieren und zu analysieren. Nur in seltenen Fällen wird die TA zur vollständigen Blockierung eines Technologie-Projektes führen. Regelmäßig soll durch die TA eine Umlenkung der Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten in Richtung auf solche technologischen Alternativen und Varianten erreicht werden, die das anstehende Problem lösen helfen, aber gleichzeitig nur geringe negative Nebenwirkungen haben.

TA-Untersuchungen dienen der Entscheidungsvorbereitung. Ihr erklärter Zweck ist es, für staatliche und unternehmerische Entscheidungen über die Entwicklung, Modifizierung und Anwendung von Technologien eine breite und qualitativ hochwertige Informationsbasis zu schaffen und damit die Voraussetzung dafür, die mit der Technologieanwendung verbundenen Risiken für den Menschen und seine Umwelt zu vermeiden bzw. zu verringern.

TA-Analysen sollten grundsätzlich so früh wie möglich angesetzt werden. Durch Wiederholung von TA-Analysen in bestimmten Zeitabständen lassen sich zunächst unbemerkt gebliebene negative Auswirkungen von Technologieanwendungen sowie Veränderungen im gesellschaftlichen Problembewußtsein und Wertesystem frühzeitig erkenne." (Paschen, Gresser, Conrad 1978, S. 19 f.)

Einführende Literatur zu TA

  • Paschen, H.; Gresser, K.; Conrad, F.: Technology Assessment – Technologiefolgenabschätzung. Ziele, methodische und organisatorische Probleme, Anwendungen. Frankfurt am Main: Campus 1978, ISBN 978-3-593-32246-9 (dieser Titel in der DNB)
  • VDI: Technikbewertung: Begriffe und Grundlagen (Richtlinie 3780). Düsseldorf: VDI 1991. (diese Richtlinie beim Beuth Verlag)
  • Ropohl, G.: Ethik und Technikbewertung. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1996, ISBN 978-3-518-28841-5  (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1241). (dieser Titel in der DNB)
  • Westphalen, R. von (Hrsg.): Technikfolgenabschätzung als politische Aufgabe. 3. gänzlich revidierte und erweiterte Auflage. München u. a.: Oldenbourg 1997, ISBN 978-3-486-23715-2. (dieser Titel in der DNB)
  • Bröchler, S. u. a. (Hrsg.): Handbuch Technikfolgenabschätzung. 3 Bände. Berlin: Edition Sigma, Berlin 1999, ISBN 978-3-89404-457-8. (dieser Titel in der DNB)
  • Grunwald, A.: Technikfolgenabschätzung. Eine Einführung. 2. grundlegend überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Berlin: Edition Sigma 2010, ISBN 978-3-89404-950-8 (Gesellschaft, Technik, Umwelt. NF 1). (dieser Titel in der DNB) (diese Reihe in der Edition Sigma bei Nomos)
  • Simonis, G. (Hrsg.): Konzepte und Verfahren der Technikfolgenabschätzung. Wiesbaden: Springer VS 2013, ISBN: 978-3-65802-034-7 (dieser Titel in der DNB) (dieser Titel beim Springer-Verlag)